Künstliche Intelligenz in der Unterhaltungselektronik0

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Am Anfang war das Schachspiel: Im Jahr 1949 programmierte der Mathematiker Claude Shannon einen Rechner, der einem menschlichen Gegner im König der Spiele die Stirn bieten konnte. Die erste KI im Gaming war geboren! Seitdem sind mehr als 70 Jahre vergangen und die Entwicklungen haben sich regelrecht überschlagen. Heute gehört die Künstliche Intelligenz zur Unterhaltungselektronik fest dazu, für täuschend echte Simulationen und tiefschürfende virtuelle Erfahrungen.

Virtuelle Gegner sind im Schach, Go sowie im Poker aktiv

Das Prinzip ist also nicht auf die damalige Zeit oder auf Schach begrenzt. Analoge Spiele mit einem digitalen Gegner durchzuführen, das hat mittlerweile auch im chinesischen Spiel Go sowie im Poker Tradition. Unter dem Namen Libratus entwickelten Forscher 2017 an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh, Pennsylvania beispielsweise eine Software, die in der Lage war, im Kartenspiel gegen Profis anzutreten. In der Spielvariante Heads-Up Limit Hold’em konnte sie sich sogar durchsetzen und sorgte damit in der Wissenschafts- und Poker-Szene für erhebliches Aufsehen. Das Programm eignet sich jedoch nicht nur als Proof-of-Concept für derartige Denkspiele, sondern auch im Bereich der Cyber-Security oder Medizin soll Libratus einsetzbar sein. Die erstaunlichen Fähigkeiten im Poker sind zum Teil darauf zurück zu führen, dass Libratus trotz fehlender Informationen sinnvolle Entscheidungen treffen und sich damit sogar gegen erfahrene Spieler behaupten kann. Das zeigt: Eine KI muss nicht unbedingt ein Alleswisser sein, ganz im Gegenteil. Sie benötigt vor allem die uns vertraute menschliche Fähigkeit, Wissenslücken zu überbrücken und so trotz gewisser Einschränkungen vernünftige Entscheidungen zu treffen.

Digitale Genies mit Nützlichkeitswert

Nicht nur Poker- und Schachcomputer, auch unsere Smartphones sind digitale Genies: Sie besitzen ihr eigenes „Gehirn“ und die zugehörige künstliche Intelligenz. Die ist auch dringend nötig, wenn es zum Beispiel um die Themen Sprachbedienung, Übersetzungen, Bilderkennung und so etwas scheinbar Profanes wie die Akku-Steuerung geht. Zudem: Ein Handy mit richtig guter Kamera eliminiert ganz automatisch die Fehler seines Nutzers und macht die nachträgliche Bildbearbeitung damit quasi überflüssig. Sie ist sogar in der Lage, immer wieder Neues dazuzulernen und kommt damit teilweise an die Kenntnisse eines ausgebildeten Fotografen heran. Wer jedoch meint, ganz ohne tiefes Hintergrundwissen und die zugehörige Praxis mit dem Smartphone perfekte Hochzeitsfotos schießen zu können, der bewegt sich auf dünnem Eis. Die Technologie lernt eben noch dazu. Für den Alltag reicht die Technik aber mehr als aus. Derart viele gelungene Schnappschüsse hat es in der Geschichte der Fotografie noch nie gegeben!

KI-Chips rüsten Smartphones hoch

Sogenannten KI-Chips sollen die Smartphones der neuesten Generation zu wahren Wunderwerken machen. Das Apple iPhone ist damit ebenso bestückt wie ein Samsung-Smartphone der Galaxy-Reihe. Sie sind fast wie smarte virtuelle Haustiere, die die Gewohnheiten und Aktionen des Nutzers genau erkunden. Im Newsfeed erscheinen nach einer Weile nur noch die Nachrichten, die den User tatsächlich interessieren und auf Wunsch ermittelt das Gerät sogar die ideale, auf den persönlichen Biorhythmus abgestimmte Weckzeit. Ein alter Hut ist inzwischen schon die Fingerabdruck- und Gesichtserkennung, obwohl beides nicht flächendeckend gleich gut funktioniert. Biometrische Merkmale als Zugangscode für private Daten zu nutzen, das hat allerdings Zukunft.

Sprachmodule führen stimmliche Befehle aus

Und dann wären da noch virtuelle Assistenten wie Alexa und Siri, die uns (fast) immer richtig gut verstehen, obwohl sie keine Menschen sind. Die Sprachmodule sind hochentwickelt und mit leistungsstarken Prozessoren verknüpft. Ihnen machen die verschiedenen Stimmen, unterschiedlichen Betonungen und Dialekte der Menschen kaum etwas aus. Sie führen unsere stimmlichen Befehle aus und werden dabei immer präziser. Auch hier verstecken sich künstliche Intelligenzen, hoch spezialisiert und darauf ausgerichtet, stets zu Diensten zu sein. Das Smart Home der Zukunft wird auf Alexa und ihre Anverwandten wohl kaum verzichten können. Eher kommt es zu einer noch umfangreicheren Kommunikation zwischen Mensch und Maschine, die für die folgende Generation sicher ganz normaler Alltag sein wird.

Künstliche Intelligenz in digitalen Spielen

Bei den digitalen Spielen sieht es kaum anders aus. 1989 kam ein Spiel namens Sim City auf den weltweiten Markt. Es arbeitete mit einer aus heutiger Sicht noch rudimentären künstlichen Intelligenz, die jedoch damals schon einen bestechenden Realismus in sich barg. Das Programm bot eine Simulation, die Unberechenbarkeit erzeugen konnte. Seitdem haben die virtuellen Gehirne viel dazugelernt und verfeinern heute Spiele und begehbare 3-D-Welten mit einer immensen Authentizität. Ohne KI wäre eine solche Annährung an die Wirklichkeit kaum zu schaffen, interagieren die Spiele doch stets mit dem User, reagieren auf seine Aktionen und können so den Spielverlauf ändern.

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Die Grenzen der künstlichen Intelligenz

KI hat aber auch heute noch Grenzen. Meistens liegen diese dort, wo der Kontakt zum Internet abbricht. Viele Services benötigen beispielsweise das Netz, um Nutzerbedürfnisse aus der Ferne zu analysieren. Auf dem Gerät selbst würde dieser aufwändige Prozess zu viel Speicherplatz verbrauchen sowie eine große Menge Rechenleistung. Allein Großrechner sind dafür geschaffen, derart komplexe Aufträge auszuführen und schlussendlich insgesamt aus den menschlichen Bedürfnissen zu lernen. Das Smartphone ist in diesem Sinne nur das ausführende Organ. Ein beunruhigender Gedanke? Nun ja, bevor die Maschinen die Kontrolle übernehmen, müssen sie wohl erst noch ein wenig besser darin werden, unsere zahlreichen Wünsche im Alltag richtig zu verstehen.

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